Lymphdrainage

Bei der manuellen Lymphdrainage handelt es sich um eine physikalische Anwendung. Ziel der Behandlung ist es, Wasser aus dem Gewebe in die Gefässe zurück zu transportieren. Wasser verlässt die Gefässe und findet sich im kompletten Körpergewebe wieder, wenn das Lymphsystem gestört ist und der Körper nicht alleine den Rücktransport leisten kann. Dies zeigt sich von außen sichtbar in Ödemen und geschwollenen Körperregionen.

Die Entstehung der Therapie geht zurück auf den dänischen Physiotherapeuten Emil Vodder (1896-1986). Erste Beschreibungen und Versuche mit der Lymphdrainage werden schon im 16. Jahrhundert beobachtet, gelangten aber nicht zu medizinischer Anwendung. Erst seit circa 1960 hat die Lymphdrainage den Stellenwert einer ernstzunehmenden, medizinischen Behandlung angenommen. Es gab zahlreiche Versuche, die manuelle Lymphdrainage durch eine Behandlung mit Geräten zu ersetzen. Das Ergebnis war mit dem der manuellen Therapie allerdings nie vergleichbar.

Das Lymphgefäßsystem hat vielfältige Aufgaben. Vor allem aber sollen Gewebeflüssigkeiten, Stoffwechselprodukte, Gifte und Schlacken abtransportiert werden. Ist die Leistungsfähigkeit der Lymphbahnen herabgesetzt, lässt sich durch sanfte Massage, eben die Lymphdrainage, dieser Effekt erzielen. Dabei handelt es sich um eine schmerzlose Massageart, die nicht die Durchblutung fördert. Die überschüssige Gewebeflüssigkeit wird durch leichten Druck des Unterhautgewebes in die Gefäße zurückbefördert. Dabei wird die Lymphe immer in Richtung des Lymphabflusses transportiert. Durch die Grifftechniken wird das Lymphsystem angeregt und die Pumpleistung der Gefäße gesteigert. Die Flüssigkeit in der Haut und Unterhaut wird dabei aktiv verschoben. Hierbei gibt es verschiedene Techniken und Griffe:

-Streichungen mit den Händen, kreisende sanfte Bewegungen
-Pumpgriffe, die mit Daumen und Finger ausgeführt werden
-Schöpfgriffe, ähnlich dem dynamischen Pumpgriff
-Drehgriffe, die Haut wird gegen die Unterhaut verschoben

Die Lymphdrainage findet vielfältige Anwendung im medizinischen, als auch im kosmetischen Bereich. Erfolgt die Behandlung aufgrund einer medizinischen Indikation, ist eine Kostenerstattung durch die Krankenkasse möglich, vorausgesetzt ein Physiotherapeut führt die Behandlung durch. Für den Physiotherapeuten ist hierbei eine Weiterbildung im Bereich der Lymphdrainage Voraussetzung. Bei rein kosmetischer Nutzung der Therapie ist eine Kostenübernahme natürlich ausgeschlossen. In diesem Fall kann die Behandlung von einer Kosmetikerin durchgeführt werden.

Medizinische Indikationen gibt es zahlreiche:
Verrenkungen, Verstauchungen, Verbrennungen, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Stoffwechselerkrankungen (Morbus Sudeck), Fettgewebsvermehrung (Lipödem), Lymphödeme oder Nervenschmerzen. Selbst bei einigen Formen der Migräne hat man Erfolge erzielt. Auch bei der Vorbereitung oder Nachbehandlung von Operationen ist die Lymphdrainage eine adäquate Methode um Schwellungen zu vermindern. Besonders bei Brustkrebspatientinnen findet die Therapie häufig Anwendung. Nachweislich vermindert sich der Schmerzmittelgebrauch und der Heilungsprozess ist deutlich verbessert. Die Lymphdrainage kann besonders bei Patienten mit Lymphödemen im Bereich der Extremitäten eine ungeheure Erleichterung bedeuten. Oft sind die Beine der Betroffenen so stark angeschwollen, dass selbst das Anziehen und Tragen der Schuhe zur unüberwindlichen alltäglichen Hürde wird.

Um einen langfristigen Therapieerfolg zu sichern, bedient man sich häufig einer erweiterten Form der Lymphdrainage, der sogenannten „Komplexen physikalischen Entstauungstherapie“ (KPE). Hierbei nutzt man nicht nur die reine Massage, sondern auch andere unterstützende Maßnahmen:
-Atem und Bewegungsübungen
-Kompression (Wickel, Strümpfe)
-Ernährungsberatung
-Hautpflege

Die Lymphdrainage kann ebenso eine Ganzkörperbehandlung, wie eine Teilbehandlung sein. Die Dauer der Anwendung richtet sich nach dem Krankheitsbild. Nebenwirkungen sind so gut wie nicht bekannt. Allerdings ist zu beachten, dass es einige Kontraindikationen gibt, die eine Behandlung durch Lymphdrainage ausschließen:

-dekompensierte Herzinsuffizienz (ausgeprägte Herzschwäche)
-akute Entzündungen
-fieberhafte Infekte (Temperatur über 37,5 Grad)
-kardiale Ödeme (Wassereinlagerungen im Herzbereich)
-Beinvenenthrombose (Gefäßverschluss im Bein)
-Erysipel (Wundrose)
-maligne Tumore (Krebsgeschwulste)

Bei Krebserkrankungen ist vor Beginn der Lymphdrainage mit dem Arzt abzuklären, ob die Behandlung indiziert ist und es nicht zu einer ungewollten Metastasierung kommen kann.

Ziel der kosmetischen Lymphdrainage ist es in erster Linie, die Entschlackung zu aktivieren. Weiterhin versucht man mit der Behandlung, Cellulitis zu verringern. Auch Narbengewebe, Akne und Tränensäcke können durch Lymphdrainage Besserung erlangen. Die Haut zeigt ein deutlich schöneres Erscheinungsbild und ist straffer. Dies ist vor allem im Gesichtsbereich und am Dekolletee sichtbar. Aber auch Drainagen an Brust, Bauch und den Extremitäten sind üblich. Und nicht zuletzt wirkt die sanfte Massage auf das vegetative Nervensystem sehr beruhigend und führt somit zum Stressabbau. Im medizinischen, wie im kosmetischen Bereich geht man davon aus, dass die Lymphdrainage einen positiven Effekt auf die Stärkung des Immunsystems hat.

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