Fango

Das Wort "Fango" kommt aus dem Italienischen und meint einen heilenden Schlamm aus Vulkanerde. Darüber hinaus unterscheidet man je nach Anwendungsart zwischen organischem und anorganischem Fango.
In der Tat ist die Wirkungsweise des Fangos historisch bereits in vielen Quellen beschrieben worden. Original italienischer Fango besteht aus drei zusammengesetzten Bestandteilen: dem Thermalwasser, dem eigentlichen Fangoschlamm aus Ton oder Erde und einem Algenzusatz bzw. Zusatz aus Mikroorganismen, die normalerweise für einen biologische Reifeprozess sorgen.
In Italien selbst gibt es zwei bevorzugte Badeorte, in den Fangoanwendungen hauptsächlich erfolgen: Abano und Montegrotto, daneben noch Galzignano und Battaglia. Geographisch gesprochen liegt hier die Region des Euganeischen Beckens, einer Region, die mit besonderem Thermalwasser versorgt wird. Die Quellen entspringen in den Alpen und nehmen dann unterirdisch ihren Lauf durch verschiedene Gesteinsschichten, bis sie im Artesischen Brunnen an die Oberfläche kommen.
Das sogenannte Thermalwasser ist sowohl salz-, iod- als auch bromhaltig und hat eine Grundtemperatur zwischen 80 und 85 Grad Celsius. Der in den Reifebecken gelagerte Schlamm wird vom temperierten Thermalwasser durchflossen, dessen Temperatur den Reifeprozess der Algen und Mikroorganismen beeinflusst.
Im bereits erwähnten Euganeischen Becken wird der gereifte Schlamm portionsweise in Eimern gewonnen und durch Fanghini den therapeutischen Zwecken zugeführt.
Das Gute am Fango ist, dass er nach erfolgter Behandlung recycelt werden kann, d.h. er wird wieder ins Reifebecken gebracht und dort erneut einem Reifeprozess unterworfen. Das gerade dargestellte Verfahren aber ist zum einen platzintensiv, weil man mehrere Reifebecken gelichzeitig benötigt, um die unterschiedlichen Prozesse durchlaufen zu können. Zum anderen bedarf man einigen Personals, was Lohnkosten intensiv ist, weil die Tätigkeiten in Handarbeit durchgeführt werden. Alle anderen italienischen Kurorte arbeiten nach dem gleichen Verfahren, doch nicht mit dem gleichen Material, weil die Thermalquellen dort z.B. nicht die gleiche hohe Temperatur haben. Außerdem wird mit Gesteinsmehl und nicht dem Erdschlamm gearbeitet.
In Deutschland gibt es für solche Arbeiten spezielle Maschinen.
Dem in Italien erzeugten organischen Fango steht in Europa der anorganische Fango gegenüber. Auch hier wird Fango aus gemahlenem Vulkangestein erzeugt, das z.B. am Kaiserstuhl und in Mending am Laacher See abgebaut wird. Noch am Ursprungsort wird das so gewonnene Fango mit Thermalwasser, Mineralwasser und Brauchwasser vermischt. Gelegentlich wird es noch mit Radon, Schwefel oder Sole angereichert. Zu einem Brei angerührt wird es auf 45 Grad bis 50 Grad erhitzt und als Schlammpackung von einer Dicke von 3 cm aufgetragen. Ergänzend wird der Körper zu Wärmekonsolidierung in Decken und Tücher oder Folien gewickelt und verbleibt in diesem Zustand zwischen 20 Minuten und 40 Minuten. Dadurch kann die Wärme in die Körpertiefe vordringen und gemeinsam mit anschließender physiotherapeutischer Behandlung oder Massage wirken. Diese Wirkungsweise ist wissenschaftlich untersucht und erwiesen.
Anders als im italienischen Receyclingverfahren wird hier die Schlammpackung nur einmal verwendet und dann fachgerecht entsorgt. Aufgrund der Mineralstoffe kann er ökologisch verwendet werden im Gartenbau, bei der Kompostierung und in der Landwirtschaft.
Hauptanwendungsgebiet von Fango ist der Bereich der Schmerztherapie im Zusammenhang von Nerven- oder sonstigen Entzündungen, aber auch Neurodermitis, Schuppenflechten und Ekzeme sowie Menstruationsbeschwerden werden erfolgreich mit Fango behandelt.
Während früher Fango ausschließlich in der medizinischen therapeutischen Anwendung zur Geltung kam, gewinnt Fango heute zusehends auch in der Wellness- und Beautybranche an Bedeutung. In Wellnesskliniken und Schönheitsfarmen kommen sie zur Anwendung, weil Fango nicht nur als Heilmittel anerkannt ist, sondern seine Wärme ausstrahlende Wirkung auch im präventiven Wohlfühlbereich gerne gesehen wird.
Ähnlich in der Wirkung und doch nicht aus dem gleichen Gestein ist die Heilerde, die zusätzlich aber auch innerlich angewendet werden kann, während Fango ausschließlich der äußeren Behandlung dient.
Aus Kostengründen gibt es in jüngerer Zeit auch sogenanntes Para-Fangos, das paraffine Anteile enthält.
Gleich welche Fango Form zu Anwendung kommt, niemals ohne Rat eines Arztes, denn für Menschen, die Herzleiden oder Kreislaufschwächen haben, könnte die Fangobehandlung zu anstrengend sein.
Erstaunlicherweise verfehlt aber Fango auch in kalter Form nicht seine Wirkung. In vielen Sportcremes zur Entmüdung von Gelenken oder zu Behandlung von Prellungen sind Fangoanteile enthalten.
Im bereits erwähnten Wellnessbereich kommt Fango neben der wohltuenden Außenwirkung auch in Gestalt von Cremes zum Einsatz. So beispielsweise der pflegende Fango Brightening Mud, der für die Körper - und zur Gesichtspflege angewendet wird. Gewonnen wird der Grundstoff nach Angaben des Herstellers in Montecatini. Dann wird der den üblichen Reifeprozessen des organischen Fango unterworfen, anschließend mit Vitaminen, Hyaluron und Collagen Aminosäuren versetzt. Der Aqua –di- vita-Komplex wird mit ätherischen Ölen und Pflegeölen angereichert. Dadurch wirkt er vitalisierend lustvoll auf der Haut, verbessert ihre Struktur, wirkt festigend auf sie und verleiht dem Teint ein Strahlen, Vitalität und Lebendigkeit.
Gegen Cellulite am Körper wird Fangocreme mit angereicherten Meeresalgen auf den Markt gebracht.
Für eine physiotherapeutische Praxis bieten Hersteller für die Fango Anwendung geeignete Wiederaufbereitungsgeräte an wie Rührwerke, Warmhalteschränke mit gelochten oder ungelochten Blechen, Aufbereitungsanlagen für Para-Fango oder auch Plastikfolien vom laufenden Meter mit einer speziellen Abreißvorrichtung.
Fangozuschnitte dienen der Para-Fango Anwendung.
Fango ist für die meisten gesunden Menschen gesundheitsfördernd, mit und ohne Beschwerden.

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